Wie du durch Purpose Wachstum für dein Unternehmen generieren kannst

New Work muss nicht nur Arbeitnehmende begeistern - es ist auch eine Chance, dein Unternehmen zukunftsfähig zu machen.
article-1-6661951fca91b045360447.webp

Das Konzept von New Work ist eine inspirierende Vision, die Arbeit menschlicher und erfüllender machen soll. Aber was genau steckt eigentlich hinter New Work? 

Ursprünglich vom österreichisch-amerikanischen Sozialphilosophen Frithjof Bergmann als Gegenmodell zum klassischen Kapitalismus entwickelt, geht New Work weit über die bloße Arbeitserfüllung hinaus. Es bietet innovative Ansätze zur Arbeitsplatzgestaltung und betont die Wichtigkeit von Selbstbestimmung, persönlicher Freiheit und einer sinnstiftenden Tätigkeit, also dem eigenen Purpose im Unternehmen. 

Doch New Work soll nicht nur die Arbeitnehmenden glücklich machen, sondern hat das Potenzial, eine tiefgreifende Transformation der gesamten Unternehmenskultur zu bewirken. Für HR-Profis bedeutet das, neue Strategien zu entwickeln und umzusetzen, die den Bedürfnissen der modernen Arbeitswelt gerecht werden. In diesem Artikel zeigen wir dir, wie Unternehmen durch diese Prinzipien nicht nur die Zufriedenheit ihrer Mitarbeitenden, sondern auch einen langfristigen Unternehmenserfolg sichern können.

Mehr als nur ein Job

Ein Kernaspekt von New Work ist sinnhaftes Arbeiten. Denn Menschen sehnen sich nach einem Gefühl der Erfüllung und Sinnhaftigkeit in ihrem beruflichen Leben - etwas, was über finanzielle Belohnungen hinausgeht. In der Weiterentwicklung des Konzepts von New Work durch Markus Väth in seinem Buch „Arbeit – die schönste Nebensache der Welt“ wird betont, dass Arbeit die Stärken eines Menschen fördern soll, sie in ein passendes Umfeld eingebettet ist und eine höhere Bedeutung für die Person hat.

Sinn und Purpose am Arbeitsplatz sind aber nicht nur für das Wohlbefinden der Mitarbeitenden entscheidend, sondern auch für den langfristigen Erfolg und die Nachhaltigkeit eines Unternehmens. Laut Väth kann durch sinnhaftes Arbeiten eine Kultur der Innovation und Kreativität gefördert werden. Mitarbeitende werden ermutigt, neue Ideen auszuprobieren, Risiken einzugehen und aus Fehlern zu lernen. Dadurch kann eine offene und experimentierfreudige Arbeitsumgebung geschaffen werden, die Raum für kontinuierliche Verbesserung bietet. 

Wichtig dabei ist, dass Unternehmen innerhalb dieser neuen Arbeitskultur auch die Bedeutung der mentalen Gesundheit am Arbeitsplatz anerkennen. Denn laut Bundesgesundheitsministerium gehen rund 15 Prozent aller Fehltage auf Erkrankungen der Psyche zurück. Das BMG sagt, dass indem Unternehmen die mentale Gesundheit ihrer Mitarbeitenden in den Fokus rücken und entsprechende Maßnahmen ergreifen, können sie nicht nur ihr Wohlbefinden verbessern, sondern auch ihre Leistungsfähigkeit und Motivation steigern. Letztendlich kann also eine positive und unterstützende Arbeitsumgebung zur langfristigen Zufriedenheit und Bindung der Mitarbeitenden beitragen und Raum für sinnhaftes Arbeiten schaffen.

Sinnvolle Tätigkeiten laut Psychologin Tatjana Schnell von der Universität Innsbruck, Quelle: Forscherin: „Nicht jeder Job ist sinnstiftend“

Die Renaissance der Selbst- und Mitbestimmung

Viele von uns haben in der Vergangenheit in Unternehmen gearbeitet, die von klassisch hierarchischen Strukturen geprägt waren. Doch im Zeitalter des globalen Wandels und der Digitalisierung wird es für Unternehmen immer wichtiger, diese traditionellen Hierarchien zu überwinden, um erfolgreich zu sein. In diesem Zusammenhang spielt das Konzept von New Work eine entscheidende Rolle. Frithjof Bergmann sagt darin, dass, indem den Mitarbeitenden eine größere Autonomie über Arbeitsweisen, -zeiten und -orte ermöglicht wird, sich nicht nur ihre Work-Life-Balance verbessert, sondern auch ihre Zufriedenheit und Motivation. Für Unternehmen ist es daher besonders wichtig, diese Arbeitskultur bereits im Einstellungsprozess zu kommunizieren, um Top-Talente anzuziehen und langfristig zu binden. Dies kann durch das Angebot von neuen Arbeitsmodellen wie Teilzeit, Remote-Arbeit und Jobsharing geschehen, um den Angestellten die Freiheit zu geben, ihren Arbeitsalltag entsprechend ihren individuellen Bedürfnissen zu gestalten. 

Partizipation und Mitbestimmung sind ebenfalls zentrale Elemente von New Work. Unternehmen, die diesem Konzept folgen, zeichnen sich durch offene Entscheidungsprozesse aus, die die Einbeziehung der Mitarbeitenden durch Mitbestimmungsgremien, regelmäßiges Feedback oder partizipative Führungskonzepte fördern. So implementierte die Firma Kärcher, ein landesweit bekanntes Traditionsunternehmen, zum Beispiel durch eine partizipative Herangehensweise, die wissenschaftlich begleitete Workshops und offene Diskussionen zwischen HR, Betriebsrat und Mitarbeitenden umfasste. Dabei wurden Ideen und Bedürfnisse der Beschäftigten umgesetzt und ein flexibles Arbeitszeitmodell erstellt. Durch diese Art von offener Kommunikationskultur wird eine Atmosphäre des Respekts und der Zusammenarbeit gefördert und das Vertrauen der Mitarbeitenden gestärkt.

Wie sich GenX und GenY ihr Arbeitsumfeld vorstellen, Quelle: moweb research

Persönliches Wachstum im Fokus

Ein weiterer wichtiger Aspekt von New Work ist die Förderung von persönlichem Wachstum. Dabei können HR-Abteilungen die Entwicklung der Mitarbeitenden durch vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten oder Mentoring-Programme gezielt unterstützen. Dies ermöglicht den Angestellten, ihre Fähigkeiten zu erweitern, neue Kompetenzen zu erlernen und sich kontinuierlich weiterzuentwickeln oder in Führungspositionen aufzusteigen.

Auch Vielfalt und Inklusion sind wesentliche Werte in einer neuen Arbeitskultur. Unternehmen, die New Work-Prinzipien umsetzen wollen, sollten sich aktiv für Vielfalt und Inklusion am Arbeitsplatz einsetzen und eine Umgebung schaffen, in der sich alle Mitarbeitenden gleichermaßen gehört, respektiert und wertgeschätzt fühlen. Dies schafft nicht nur eine positive Arbeitsatmosphäre, sondern fördert auch die Kreativität, Innovation und Zusammenarbeit innerhalb des Teams. Dabei kann das Unternehmen durch effektives Diversity-Management neue Personal- und Kund:innenstrategien aufbauen, bei denen bewusst Unterschiede, Interessen, Wünsche wahr- und angenommen werden und so zur Wettbewerbsfähigkeit und Innovation beitragen.

Text under image: Die sechs Dimensionen des Diversity Managements, Quelle: Stadt Köln

Unternehmerische Herausforderungen

Jetzt, wo du mehr über New Work weißt, klingt das Konzept doch eigentlich ziemlich gut, oder? Aber Achtung: New Work bringt auch Herausforderungen für Unternehmen und Mitarbeitende mit sich, auf die du unbedingt achten solltest. Denn der Übergang zu neuen Arbeitsmodellen erfordert oft eine umfassende Veränderung der Unternehmenskultur, Anpassungen an Arbeitsprozessen und die Entwicklung neuer Führungsansätze. 

Ein zentraler Aspekt für den Erfolg von New Work-Initiativen ist die Messbarkeit und Evaluation. Unternehmen müssen geeignete Kennzahlen und Bewertungsmethoden entwickeln, um den Fortschritt und die Auswirkungen ihrer diversen Maßnahmen zu bewerten. Nur so können sie den Erfolg ihrer Bemühungen quantifizieren und gegebenenfalls Anpassungen vornehmen. Dabei ist es wichtig, auch die Meinungen der Mitarbeitenden in die Evaluation einzubeziehen.

Eine weitere bedeutende Herausforderung liegt in der Anpassung der Rekrutierungs- und Bindungsstrategien. HR-Abteilungen müssen ihre Strategien überdenken und neu ausrichten, um Talente anzuziehen und langfristig zu binden. Dazu gehört auch eine Fokussierung auf Arbeitsstrukturen, die die Entgrenzung der Arbeit ermöglichen und sowohl die individuellen Bedürfnisse der Mitarbeitenden als auch die Unternehmensziele berücksichtigen. Denn um die Zufriedenheit der Mitarbeitenden zu gewährleisten, dürfen laut der Bertelsmann Stiftung durch neue Arbeitsmodelle die Grenzen zwischen Privatleben und Arbeit nicht verschwimmen. Unternehmen sollten außerdem sicherstellen, dass ihre Mitarbeitenden Zugang zu Ressourcen und Programmen haben, die ihre mentale Gesundheit unterstützen und fördern. Dazu können unter anderem Programme zur Stressbewältigung, zur Förderung der Work-Life-Balance und zur Unterstützung bei psychischen Belastungen gehören.

Besonders im Homeoffice ist es wichtig, dass Mitarbeitende die Möglichkeit haben und nutzen, regelmäßig Arbeitspausen zu machen

Der Bericht „New Work“ vom Fraunhofer-Institut IAO illustriert anhand einiger Beispiele, wie New Work-Arbeitsmodelle in der Praxis umgesetzt werden können. So führte nicht nur die Traditionsfirma Kärcher die Vertrauensarbeitszeit auf beteiligungsorientierte Weise ein, auch die Daimler AG entwickelte partizipativ eine wegweisende Gesamtbetriebsvereinbarung für mobiles Arbeiten. Die 1904 gegründete Bäckerei Leonhardt setzte auf flexible Schichteinsatzplanung und stärkte den Sinn der Arbeit durch gezielte Wertschätzung. Diese Vielfalt der Unternehmen zeigt, dass New Work nicht nur auf Großbetriebe anwendbar ist, sondern auch in kleinen Unternehmen erfolgreich umgesetzt werden kann.

New Work bietet eine vielversprechende Vision für die Zukunft der Arbeitswelt, die sowohl Mitarbeitende als auch Unternehmen bereichert. Hier sind nochmal die wichtigsten Learnings von New Work für dich zusammengefasst:

  • Schaffung eines sinnstiftenden Arbeitsumfelds: Arbeitsplätze, die auf den individuellen Purpose der Mitarbeitenden ausgerichtet sind, fördern Innovation und Kreativität.
  • Förderung von Selbstbestimmung: New Work steigert die Zufriedenheit und Motivation der Mitarbeitenden durch mehr Autonomie und Entscheidungsfreiheit.
  • Transformation der Unternehmenskultur: Es ermöglicht eine tiefgreifende Veränderung hin zu mehr Flexibilität und Offenheit in der Arbeitskultur.
  • Anpassung an demografischen Wandel und technologischen Fortschritt: New Work bietet Lösungen durch flexible Arbeitsmodelle und innovative Arbeitsplatzgestaltungen.
  • Förderung von Vielfalt und Inklusion: Es unterstützt eine Arbeitsumgebung, die Diversität wertschätzt und alle Mitarbeitenden gleichermaßen einbezieht.
  • Entwicklung neuer Rekrutierungsstrategien: HR-Abteilungen müssen ihre Strategien anpassen, um Talente zu gewinnen und langfristig zu binden.
  • Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität: Engagierte und motivierte Mitarbeitende tragen wesentlich zur Wettbewerbsfähigkeit und Effizienz des Unternehmens bei.
  • Strategisches Instrument zur Unternehmenssicherung: New Work hilft Unternehmen, Top-Talente anzuziehen und zu binden, während sie ihre strategischen Ziele effizient erreichen.
  • Kontinuierlicher Veränderungsprozess: Unternehmen müssen die Prinzipien von New Work ständig integrieren und anpassen, um langfristig erfolgreich zu bleiben und das Potenzial ihrer Belegschaft voll auszuschöpfen.

Laut Lena Marie Glaser, Gründerin von basically innovative, einem Zukunftslabor für neues Arbeiten, können Unternehmen, die New Work-Prinzipien umsetzen, auf eine positive Zukunft hoffen: „Wenn sich Beschäftigte ernst genommen fühlen und ihren Bedürfnissen entsprechend arbeiten können, dann werden sie zu den besten, engagiertesten Botschafterinnen und Botschaftern für ihren Betrieb.“

Wenn auch du zukunftsfähige HR-Strategien entwickeln willst, lernst du am besten von einer erfahrenen HR-Direktorin, wie Sandra Vanderlieb von L’Oréal. In unserem HR Director-Kurs zeigt sie dir Methoden zur Personalplanung, wie du deine Stakeholder-Kommunikation verfeinerst und ihr nehmt aktuelle Personaltrends zusammen unter die Lupe. Lies alle Kursdetails hier und mach’ dich fit für eine leitende Rolle im Personalteam!