Impostor oder potenzielle:r Preisträger:in?

In der Welt von Film und Fernsehen spielen Emotionen nicht nur vor, sondern auch hinter den Kulissen eine große Rolle. Das hat sich auch bei der diesjährigen Berlinale wieder gezeigt.
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Ein internationales Spektakel

Am 24. Februar fand in Berlin eines der renommiertesten Filmfestivals in Europa und weltweit statt: die Berlinale. Hier werden einmal im Jahr verschiedene Erfolge in der Film- und Fernsehbranche mit einem Goldenen und mehreren Silbernen Bären ausgezeichnet. Dieses Jahr konkurrierten 20 Filme um die Aufmerksamkeit der Zuschauenden und die Begeisterung der Jury. Da es sich bei vielen Werken um Koproduktionen handelt, sind in dem Wettbewerb über 30 Länder vertreten. Neben dem allerersten nepalesischen Beitrag überhaupt erkämpften sich auch drei afrikanische Produktionen einen Platz im Rampenlicht.

Jury-Präsidentin Lupita Nyong'o, Quelle: Photo Boulevard

Der Goldene Bär ging an den Dokumentarfilm „Dahomey“ der senegalesisch-französischen Regisseurin Mati Diop. Er erzählt die Geschichte der Rückgabe von Kulturgütern, die im 19. Jahrhundert von Kolonialtruppen gestohlen wurden, an das westafrikanische Land Dahomey (heute Benin). Diop erhielt als erste farbige Frau den begehrtesten Preis der Nacht aus den Händen der Jury-Präsidentin Lupita Nyong’o, einer kenianisch-mexikanischen Oscar-Preisträgerin - ebenfalls die erste farbige Frau in dieser Position.

Hauptgewinnerin Mati Diop mit ihrer Auszeichnung für den besten Film, Quelle: Photo Boulevard

Der Silberne Bär für die beste Regie ging an den vielleicht fantasiereichsten Film der Berlinale überhaupt: Carlo de los Santos Arias’ Drama „Pepe“ handelt von einem Nilpferd, das aus dem Lager des Drogenbarons Pablo Escobar flieht. Sieben weitere silberne Bären wurden unter anderem für die beste Hauptrolle und Nebenrolle verliehen. Österreicher Martin Gschlacht konnte sich mit der Kamera für „Des Teufels Bad“ die Auszeichnung für den herausragendsten künstlerischen Beitrag sichern. Aber auch die deutsche Filmbranche konnte einen Bären bei diesem Heimspiel ergattern. Der Silberne Bär für das beste Drehbuch ging an Matthias Glasner für „Sterben“.

Seit 2008 gibt es diesen Preis, um zu gewährleisten, dass bei den Berliner Filmfestspielen auch die Leistung von Drehbuchautor:innen honoriert wird. Im Gegensatz zu anderen Filmpreisen wie beispielsweise dem Oscar findet keine Unterscheidung zwischen Originaldrehbuch und adaptiertem Drehbuch statt.

Kunst ohne Emotionen? Gibt’s nicht.

Wer genauer hinschaut, kann hinter all dem Stolz und Erfolg der Drehbuchautor:innen, Direktor:innen und Regisseur:innen aber auch weniger glamouröse Erfahrungen entdecken. Viele der Filme sind vor allem wegen des Sichtbarmachens von Missständen und der persönlichen Nähe der Schaffer:innen zu diesen Ungerechtigkeiten so mitreißend geworden.

Viral ging nach dem Filmpreis vor allem die emotionale Dankesrede eines palästinensisch- israelischen Filmduos, die mit „No Other Land“ zwei wichtige Filmpreise gewannen. In dem rührenden Video befürworten sie gemeinsam deutlich „die Forderung der Vereinten Nationen für einen Waffenstillstand“ im Gazastreifen. Und auch das Team der Berlinale nutzte in der Moderation die Chance, der „Sorge über antimuslimische Ressentiments und den wachsenden Antisemitismus in Deutschland und der Welt“ Ausdruck zu verleihen. Auf Protest aus der Öffentlichkeit reagierte die Berlinale, indem mehrere Politiker:innen der rechtsextremen Partei AfD vom Filmpreis ausgeladen wurden.

Wenn das Impostor-Syndrom zuschlägt

Selbst Drehbuch-Expert:innen wie Mati Diop erzählen von unzähligen Momenten der Unsicherheit und des Lernens. Nach dem Anschauen eines Videos, in dem ihr Onkel und berühmter Regisseur herunterbricht, wie schnell man eine Storyline schafft, sagt sie: „Als ich noch jung war und mir das Video anschaute, dachte ich: „Na ja, für mich ist das nicht so einfach. Ich habe es versucht, aber es funktioniert nicht so einfach für mich. Ich habe drei Jahre gebraucht, um einen Spielfilm zu schreiben.“

Jahrelange Arbeit für einen Karriere-Durchbruch, der scheinbar nie kommt, treibt viele in der Filmbranche und anderen Berufsfeldern dazu, an sich selbst zu zweifeln. Und wenn der Erfolgsmoment dann da ist, fällt es schwer, ihn zu genießen: „Man kann nicht vorhersehen, wie man emotional reagieren wird, und man weiß nicht, was passieren wird, wenn man auf der Bühne vor all diesen Menschen steht. Das ist sehr intensiv.“, erzählt die Filmpreisträgerin Mati Diop im Interview.

Menschen, die mit dem Impostor-Syndrom zu kämpfen haben, glauben, dass sie ihre Leistungen und die hohe Wertschätzung, die sie im Allgemeinen genießen, nicht verdient haben. Sie haben das Gefühl, dass sie nicht so kompetent oder intelligent sind, wie andere glauben, und dass die Menschen schon bald die Wahrheit über sie herausfinden werden. Menschen mit dem Imposter-Syndrom sind oft sehr erfolgreich; sie haben nicht selten akademische Abschlüsse oder sogar international anerkannte Auszeichnungen.

Selbstwirksamkeit statt Selbstzweifel

Mit solchen Gedanken haben auch viele kreative Köpfe zu kämpfen. Egal ob Drehbuch-Anfänger:in, Medienfachleute oder Content Creator: die Angst vorm Versagen ist schwer abzulegen. Dabei liegen zwischen starkem Zweifel an dem eigenen Drehbuch und einem Award manchmal nur ein paar Wochen! Selbst der Gewinner des Drehbuchpreises erklärt im Radiointerview: „Ich war in den letzten Wochen sehr besorgt, dass der Film nicht funktionieren würde, um ehrlich zu sein. Dann hatten wir gestern eine fantastische, überwältigende Vorführung.“

Martin Scorsese mit dem Ehrenbären als Auszeichnung für sein Lebenswerk, Quelle: Photo Boulevard

Auf die Frage, was sie Drehbuch-Anfänger:innen raten würde, sagt Mati Diop im Interview: „Jeder Mensch, jede:r Filmemacher:in ist einzigartig. Es gibt immer etwas, das nur du auf deine Weise teilen kannst.“ Martin Scorsese, der beim 74. Berliner Filmpreisfestival den Goldenen Ehrenbär für sein Lebenswerk entgegennahm, ermahnte die Zuschauenden außerdem: „Was bleibt einem übrig, wenn man sich in eine Kunstform verliebt? Man ist gezwungen, viel allein zu arbeiten. Das ist der einsame Teil. Aber es ist so wichtig, sich daran zu erinnern, dass man, auch wenn man einsam ist, Teil einer Community ist! [...] Die Arbeit, die wir tun, ist Teil einer letztlich endlosen Unterhaltung. Endlos und zeitlos.“

Den Fokus von den eigenen, seien wir mal ehrlich, oft utopischen Ansprüchen auf die potenzielle Wirkung des Werks zu legen kann helfen. Laut dem Drehbuch-Preisträger Matthias Glasner geht es nicht so sehr „darum, dass die Geschichte auf einen Punkt hinausläuft, an dem alles einen Sinn ergibt. Es geht darum, Lebenserfahrungen zu sammeln. Denn man hat eine Erfahrung in diesem dunklen Raum, mit vollem Fokus auf die Leinwand. Worauf ich hoffe ist, dass man einzigartige Charaktere trifft, mit ganz eigenen Themen und Entscheidungen. Für mich ist ein Film ein Erfolg, wenn die Zuschauenden danach nicht über den Film, sondern über sich selbst nachdenken.“

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