Konflikte umarmen, mit Gegensätzen arbeiten und Kontrolle loslassen

Warum Personalfluktuation nicht unbedingt schlecht ist und wie Diversität und Konfliktlösung die Teamproduktivität steigern können.
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Dein Ziel? Langfristiger Teamerfolg in deinem Unternehmen. Doch welche konkreten Maßnahmen können euch auf dem Weg zum Erfolg verhelfen?

In diesem Artikel lernst du Lektionen einiger der erfolgreichsten CEOs der Welt kennen und entdeckst, warum Fehler die Grundlage für Erfolg sein können. Wir verraten, weshalb Fluktuation von Mitarbeitenden nicht nur eine Gefahr, sondern ein Segen sein kann und warum es wichtig ist, Konflikte am Arbeitsplatz nicht zu scheuen.

1. Richte dein Team auf eine gemeinsame Mission aus

Jedes Unternehmen hat eine Vision, eine Mission und Ziele. IKEA möchte zum Beispiel „das tägliche Leben für viele Menschen verbessern“, während die Mission von Google darin besteht, „die Informationen der Welt zu organisieren und sie für alle zugänglich und nützlich zu machen“.

Arbeitnehmende, die in ihrer Arbeit einen Sinn oder eine Bedeutung sehen, bleiben laut einer globalen Studie dreimal häufiger in ihrem Unternehmen. Wenn sie den Sinn ihrer Arbeit verstehen, fühlen sie sich mit dem Unternehmen verbunden und neigen dazu, länger zu bleiben. Dass fast 40 % angeben, die Unternehmensziele nicht zu verstehen, ist problematisch. Denn ein gemeinsamer Fokus auf die Unternehmensmission ist entscheidend, um erfolgreich neue Märkte zu erschließen, Produkte zu launchen und Gewinne zu steigern.

Die Möglichkeit, anonym Feedback abzugeben, kann dabei helfen, das Verständnis der Mitarbeitenden für die Mission, Vision und Werte des Unternehmens zu prüfen. Stelle spezifische Fragen dazu, was diese Elemente für sie bedeuten und wie sie mit den Unternehmenszielen in Einklang gebracht werden können. Ermutige Mitarbeiter:innen dazu, visuelle Darstellungen der Vision und Werte des Unternehmens mithilfe von Bildern, Worten und Symbolen zu erstellen.

2. Verfolge eine Bottom-Up-Strategie und lerne von deinen Mitarbeitenden

Dein Unternehmen und insbesondere deine Mitarbeitenden können eine wahre Fundgrube für Geschäftsideen sein. Daher ist es von Vorteil, eine Bottom-up-Strategie zu fördern und das Team zu ermutigen, Verbesserungsvorschläge für das gesamte Unternehmen zu machen.

Viele erfolgreiche CEOs schätzen den Input von ihren Mitarbeitenden sehr. Seit Satya Nadella 2014 CEO von Microsoft wurde, stand er vor der Herausforderung, sich an die sich rasch verändernde Technologielandschaft anzupassen. Er verstand, dass Microsoft-Apps auf einer skalierbaren Cloud-Plattform, angeboten werden müssen, um mit Produkten von Amazon und Google konkurrieren zu können.

Während dieser Übergangsphase bis zur Geburt von Azure suchte er bewusst den Input von Mitarbeitenden aus verschiedenen Abteilungen, förderte eine offene Kommunikation und schuf Kanäle für den Austausch von Ideen und Feedback zur Ausrichtung des Unternehmens. Darüber hinaus hörte Nadella Entwickler:innen und Produktmanager:innen zu, die sich mit der Nutzungsfreundlichkeit, der Leistung und den Funktionen von Azure befassten, und ließ ihr Feedback in die Entwicklungs-Roadmap der Plattform einfließen.

Infolgedessen hat sich Azure zu einem der drei weltweit führenden Anbieter von Cloud-Diensten entwickelt und wird von Unternehmenskunden, darunter Fortune-500-Unternehmen, aus verschiedenen Branchen in großem Umfang genutzt.

3. Gib deinen Mitarbeitenden regelmäßig Feedback

83,6 % der Erwerbstätigen sind der Meinung, dass Anerkennung eine wichtige Rolle für ihre Motivation spielt, erfolgreich zu arbeiten. Wenn Mitarbeitende am Arbeitsplatz Anerkennung erhalten, führt dies zu einer gesteigerten Motivation, Selbstsicherheit und allgemeinem Engagement. Interesse zu zeigen, Wertschätzung zu bekunden und Unterstützung zu bieten, sind entscheidende Aspekte, um Mitarbeitende langfristig an das Unternehmen zu binden.

In Entscheidungsprozessen ist es wichtig, dass alle Teammitglieder das Gefühl haben, dass ihre Meinung gehört wird, selbst wenn sie nicht immer umgesetzt wird. Verantwortungsbewusstsein und Produktivität steigen, wenn Einzelpersonen zuversichtlich sind, dass sie die an sie gestellten Erwartungen verstehen und zeitnah bewertet werden.

Forschungsergebnisse des NeuroLeadership Institute zeigen, dass regelmäßiges Feedback Stress reduziert, Vertrauen aufbaut und die Qualität von Projekten verbessert. Gleichzeitig regt Lob die Produktion von Dopamin an, was Ruhe und Selbstvertrauen fördert.

So können Geschäftsführer:innen ihren Mitarbeitenden Feedback geben:

  • Open Door Policy. Führungskräfte wie Alan Mulally, ehemaliger CEO bei Ford, haben eine „Strategie der offenen Tür” eingeführt, bei der Mitarbeitende aller Ebenen Feedback geben, Fragen stellen und Bedenken äußern können.
  • 360-Grad-Feedback. Unter der Führung von Satya Nadella hat Microsoft „Perspectives“ eingeführt, ein System, das es den Mitarbeitenden ermöglicht, Feedback von Kolleg:innen für ihre persönliche und berufliche Entwicklung einzuholen und so kontinuierlich Wachstum fördert.
  • Echtzeit-Feedback. Unternehmen wie Airbnb nutzen Echtzeit-Feedback-Tools wie Bewertungen und Rezensionen, um die laufende Kommunikation zwischen Manager:innen und Mitarbeitenden zu erleichtern. So können sie Projekte, Teamarbeit und individuelle Beiträge zeitnah anpassen.
  • Programme zur Anerkennung. CEOs führen häufig Programme ein, um die Leistungen der Mitarbeitenden anzuerkennen. HubSpot hat unter der ehemaligen Leitung von Brian Halligan die „Hero Awards“ eingeführt, um Mitarbeitende zu ehren, die die Kernwerte des Unternehmens verkörpern.

4. Lerne Fluktuation, als Chance zu sehen

Häufig wird eine hohe Personalfluktuation als etwas Schlechtes angesehen. Aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, können Personalwechsel aber auch lehrreich sein. Denn neue Mitarbeitende können das Unternehmen mit ihrer Expertise, innovativen Ideen und neuen Fähigkeiten bereichern.

Egal wie gut Prozesse aufeinander abgestimmt zu sein scheinen und jede:r seine Rolle kennt - es kann es von Vorteil sein, Mitarbeiter:innen gehen zu lassen. Dies gilt auch für hochqualifizierte Expert:innen, selbst während kritischer Projekte. Denn in einem Unternehmen zu bleiben, in dem man nicht sein möchte, ist weder für die Einzelperson noch für das Unternehmen von Vorteil.

Wie aber in Zeiten der Harmonie Fluktuation anstoßen? Zappos bietet beispielsweise Abfindungen für Mitarbeiter:innen, die feststellen, dass sie nicht zum Unternehmen passen, während Amazon eine „Pay to Quit“-Strategie verfolgt, die finanzielle Anreize für ein freiwilliges Ausscheiden bietet, um Mitarbeitende dazu zu bewegen, ihre wahren Bedürfnisse zu überdenken.

Mit der richtigen Rekrutierung, Einarbeitung und Schulung kann sichergestellt werden, dass neue Mitarbeitende die Arbeit effektiv übernehmen können. Die Herausforderungen, die mit der Integration neuer Teammitglieder verbunden sind, lohnen sich.

5. Lerne den Umgang mit Risiken und Fehlern

Fehler und kritische Zwischenfälle sind unvermeidlich: Websites stürzen ab, Produkte funktionieren nicht richtig und Kund:innen können verärgert sein. Die Art und Weise, wie Führungskräfte auf solche Vorfälle reagieren, kann die Unternehmenskultur stark beeinflussen - positiv sowie negativ.

Wenn Projekte nicht optimal umgesetzt wurden, können Schuldzuweisungen zu Groll, Misstrauen und unproduktivem Verhalten führen, was wiederum zur Stagnation des Unternehmenserfolgs führt. Wenn Mitarbeitende sich nicht wertgeschätzt fühlen und gleichzeitig Angst haben, Risiken einzugehen, kommt Fortschritt zum Stillstand. Eine Reaktion, die Schuldzuweisungen vermeidet, fördert ein Lernumfeld, in dem Fehler als Wachstumschancen gesehen werden.

Diese Unternehmenskultur bedeutet auch, dass keine Scheu vor Risiken bestehen soll, wenn damit die Innovation gefördert werden kann. Amazon investiert zum Beispiel jährlich beträchtliche Summen in Erfindungen, die von unterirdischen Tunneln über Lieferdrohnen bis hin zu Warenhaus-Luftschiffen reichen.

6. Fördere Vielfalt und Inklusion

Der Traum vieler ist es wahrscheinlich, mit jemandem zusammenzuarbeiten, der:die dich sofort versteht, deine Interessen teilt und vielleicht auch nach Feierabend noch Zeit mit dir verbringt. In einer sich ständig verändernden und innovativen Unternehmenslandschaft kann eine sehr homogene Teamkonstellation jedoch schnell zu Stagnation führen.

Die Zusammenarbeit mit Kolleg:innen, Kund:innen und Dienstleister:innen, die anders sind als man selbst, ist in der Tat unerlässlich. Menschen unterschiedlichen Alters, Geschlechts, Hintergrunds und mit unterschiedlichen Erfahrungen zusammenzubringen, fördert den Austausch von Ideen und innovativen Lösungen, selbst wenn die unternehmerischen kreativen Ressourcen ausgeschöpft sind.

Eine Studie von McKinsey aus dem Jahr 2018 hat gezeigt, dass Vielfalt nicht nur moralisch richtig ist, sondern sich auch wirtschaftlich auszahlt, da die geschlechtliche und ethnische Vielfalt in einem Team mit höheren Gewinnen korreliert. Diverse Teams sind besser darin, die Bedürfnisse und Anfragen der Kund:innen zu verstehen.

Wenn also eine Stelle in deinem Unternehmen frei wird, solltest du darauf achten, nach Kandidat:innen zu suchen, die den Anforderungen entsprechen, sich aber in bestimmten Punkten von den anderen Teammitgliedern unterscheiden und dadurch eine neue Perspektive mitbringen.

7. Hab keine Angst, Aufgaben abzugeben

Das Institute of Corporate Productivity berichtet, dass 46 % der Unternehmen Schwierigkeiten bei der Aufgabenverteilung haben, was das Wachstum des Unternehmens behindert und zu Überstunden führt. Viele Geschäftsinhaber:innen arbeiten über 50 Stunden pro Woche und riskieren damit ein Burnout.

Der Spruch „Wenn du willst, dass etwas richtig gemacht wird, mach es selbst“ kann eine Führungsfalle sein. Effektive Manager:innen wissen, wie man ein starkes Team aufbaut, Aufgaben klug delegiert und Verantwortlichkeiten angemessen verteilt.

Eine gut strukturierte Aufgabenverteilung steigert das Engagement des Teams. Führungskräfte mit hohem Delegationstalent kombinieren Unternehmensexpansion mit vergleichsweise wenigen Neueinstellungen.

Um zu vermeiden, dass du Aufgaben delegierst, die deine persönliche Aufmerksamkeit erfordern, schreibe alles auf, was du in der Woche erledigst. Dafür kannst du beispielsweise die Eisenhower-Matrix verwenden, die in vier Abschnitte unterteilt ist: dringend, nicht dringend, wichtig, unwichtig. Erledige wichtige Aufgaben selbst, delegiere dringende, aber nicht wichtige Aufgaben und überlege, ob du Aufgaben, die weder dringend noch wichtig sind, streichst oder anderweitig zuweist.

8. Hör auf, Konflikte zu vermeiden

In vielen Unternehmen gehört es zum Alltag, Konflikte zwischen Mitarbeiter:innen oder innerhalb eines Teams zu vermeiden und nicht weiter auf diese einzugehen. Dabei können passiv-aggressives Verhalten und Schuldzuweisungen dem Teamgeist mehr schaden als Konflikte, die produktiv und friedlich gelöst werden.

Johan Galtung, ein Vorreiter der Friedens- und Konfliktforschung, definiert Konflikt als eine Situation, in der die Ziele von Menschen aufeinanderprallen. Konflikte sind unvermeidlich und nehmen laut GITNUX Marketdata Report 2024 durchschnittlich 2,1 Stunden pro Woche in Anspruch. Deshalb ist es wichtig, Konflikte zu erkennen, zu analysieren und einfühlsam zu managen.

Hier einige Tipps, wie du deine Konfliktfähigkeit verbessern kannst:

  • Konzentriere dich auf das Problem und nicht auf die Person. Das hilft, negative Emotionen zu kontrollieren und für beide Seiten vorteilhafte Lösungen zu finden.
  • Reagiere durchdacht und nicht impulsiv, indem du dir mögliche Antworten im Voraus überlegst.
  • Drücke Emotionen professionell aus. Wenn du Wut oder Frustration verspürst, bitte um eine kurze Pause, bevor du das Gespräch fortsetzt.
  • Höre aktiv zu und stelle sicher, dass du die Herausforderungen beider Parteien verstehst.
  • Arbeite beim Brainstorming und Problemlösen zusammen und konzentriere dich darauf, zuzuhören, ohne zu urteilen, bis alle Optionen in Betracht gezogen wurden.

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