50 % der Fachkräfte werden eine Umschulung benötigen

Welche Kompetenzen werden Arbeitgebende und die Welt von uns erwarten?
171-cover-min-659fad5d18e52075115403.jpeg

Alle zwei Jahre veröffentlicht das Weltwirtschaftsforum den Future of Jobs Report. In der Ausgabe von 2023 wurden die potenziellen Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt bis 2027 analysiert. Der Bericht basiert auf Befragungen von Führungskräften und Leitenden von Personal- und Weiterbildungsabteilungen von 803 Unternehmen.

Es wird erwartet, dass die Arbeitgebenden bis 2027 69 Millionen neue Arbeitsplätze schaffen und gleichzeitig 83 Millionen Stellen abbauen werden. Das bedeutet unterm Strich eine Reduktion von 14 Millionen Arbeitsplätzen, was 2 % der aktuellen Beschäftigung entspricht. Darüber hinaus wird bis 2025 die Hälfte der Fachkräfte weltweit eine Umschulung benötigen.

Welche Fähigkeiten sind auf dem Arbeitsmarkt entscheidend, um relevant zu bleiben?

Führende Wachstumsbranchen auf dem Arbeitsmarkt

Es wird erwartet, dass die Zahl der Arbeitsplätze in der Landwirtschaft um etwa 30 % steigen wird, was etwa 3 Millionen Arbeitskräften entspricht. Trotz gegenteiliger Meinungen der Arbeitgebenden wird auch ein Wachstum in Berufen im handwerklichen Bereich erwartet, die schwer zu automatisieren sind, wie z.B. im Baugewerbe, in der Maschinen- und Mechanikreparatur und in der Logistik.

Der Bericht weist auch auf das Wachstumspotenzial in bildungsbezogenen Berufen hin. Angesichts des Bevölkerungswachstums in den Entwicklungsländern werden diese Sektoren wahrscheinlich noch mindestens fünf Jahre lang Wachstum verzeichnen.

Darüber hinaus prognostizieren Arbeitgebende einen Anstieg der digitalen Berufe um 25-35 %, insbesondere im Online-Marketing und Vertrieb, und rechnen mit bis zu 2 Millionen neuen Arbeitsplätzen.

Zu den technischen Berufen, die ein starkes Wachstum verzeichnen, gehören

  • Spezialist:innen für Künstliche Intelligenz (KI) und Machine Learning (ML)
  • Business Analyst:innen
  • Cyber Security-Ingenieur:innen
  • Fintech Ingenieur:innen
  • Datenwissenschaftler:innen
  • Robotik-Ingenieur:innen
  • Big Data-Spezialist:innen
  • Landmaschinenführer:innen

So werden Datenanalyst:innen, Dateningenieur:innen und Wirtschaftsanalyst:innen zusammen voraussichtlich eine Wachstumsrate von 35 % verzeichnen, was 1,4 Millionen neuen Stellen entspricht. Auf KI-Spezialist:innen entfällt voraussichtlich ein Wachstum von 40 %, was 1 Million neuen Arbeitsplätzen entspricht.

Darüber hinaus zeigen Daten von LinkedIn, dass die Zahl der offenen Stellen im Bereich der generativen KI im Vergleich zu 2022 um das 36-fache gestiegen ist. Zu den neuen Berufen, die auf dem Arbeitsmarkt entstehen, gehören Human-Machine Teaming Manager, AI Ethicist und Biotech AI Engineer. Laut dem jüngsten Bericht des Weltwirtschaftsforums über die Zukunft der Arbeit hat KI für Unternehmen mit mehr als 50.000 Beschäftigten höchste Priorität.

Mehr als 50 % der Arbeitskräfte weltweit werden laut Future of Jobs Report eine Umschulung oder Zusatzqualifizierung benötigen

Der Druck auf die Unternehmen, ihr Personal weiterzubilden, ergibt sich sowohl aus technologischen Trends als auch aus der zunehmenden Bedeutung bestimmter Qualifikationen. Die Befragten gehen davon aus, dass bis 2027 60 % der Arbeitskräfte neu qualifiziert werden müssen. Eine andere Schätzung geht davon aus, dass 44 % der Qualifikationen in den nächsten fünf Jahren aufgefrischt werden müssen.

Die Personalentwicklungspläne auf der anderen Seite zeigen jedoch deutlich, dass bis 2027 nicht alle Personen, die eine Umschulung benötigen, umgeschult sein werden. Aus diesem Grund sollten Fachkräfte in verschiedenen Branchen und Bereichen eigenständig damit beginnen, sich die für die Zukunft relevanten Kompetenzen anzueignen.

Deine Weiterbildung bei ELVTR ist praxisorientiert und lehrt Skills mit direktem Bezug auf den persönlichen Arbeitskontext. Von Kursen in KI/ML, Datenvisualisierung, und UX bis hin zu Leadership-Themen und kreativen Skills - die Kurse werden von Branchenexpert:innen entwickelt und geleitet.

Soft Skills gefragter denn je

Eine Forschung von Deloitte zeigt, dass bis 2030 zwei Drittel der Arbeitsplätze auf Soft Skills basieren werden. Darüber hinaus legt eine Studie von McKinsey nahe, dass bis dahin rund 30 % der Arbeitszeit automatisiert werden könnte, was Bewerber:innen dazu ermutigt, sich auf Soft Skills zu konzentrieren, die Maschinen nicht nachahmen können. Wir haben die wichtigsten Soft Skills für den beruflichen Aufstieg zusammengestellt.

1. Problemlösung

Die Fähigkeit, mit komplexen und unerwarteten Situationen umzugehen, ist sicherlich schon lange Fokus in vielen Branchen. Heutzutage sind Unternehmen aber mehr denn je auf Einzelpersonen angewiesen, die Situationen selbst einschätzen und Probleme lösen können, ohne dass die Teamführung oder erfahrenere Kolleg:innen eingreifen müssen.

Problemlösungsfähigkeiten können durch folgende Maßnahmen verbessert werden:

  • aktives Zuhören
  • Arbeit an der Teamkommunikation
  • kritisches Denken
  • Techniken zur Entscheidungsfindung

Laut einer Studie von The Economist und der Intelligence Unit wurde Problemlösung von 50 % der Befragten genannt und landete so in den Top 3 der Kompetenzen, nach denen Unternehmen in 2023 über 19 Branchen hinweg gesucht haben.

2. Kritisches Denken

Eine Umfrage der US-amerikanischen National Association of Colleges and Employers ergab, dass 82 % der Unternehmen die Fähigkeit zum kritischen Denken als eine unverzichtbare Fähigkeit bei der Bewertung von Bewerber:innen ansehen. Einem Bericht von Hart Research Associates zufolge schätzen 93 % der Arbeitgebenden diese Fähigkeit höher ein als einen Bachelor-Abschluss.

Kritisches Denken ist die Fähigkeit, rational zu denken und zwischen Annahmen und Fakten zu unterscheiden. Es befähigt Menschen, scheinbar wahre Aussagen infrage zu stellen, eine Vielzahl von Informationsquellen zu akzeptieren und Meinungen zu ändern, wenn sie sich als falsch erweisen.

Um kritisches Denken zu trainieren, kannst du:

  • dich mit einer breiten Palette von Informationsquellen auseinandersetzen
  • neue Informationen auf ihre Quelle prüfen und die Motivation des:r Autor:in hinterfragen
  • Argumente auf Logik und Vorurteile prüfen
  • die eigenen Gedanken und Überzeugungen analysieren und überlegen, wie persönliche Erfahrungen deine Perspektiven beeinflussen
  • dich vom Thema abgrenzen, indem du dir folgende Fragen stellst:

    1. 1. Bin ich in dieser Situation voreingenommen oder subjektiv?
    2. 2. Habe ich ein persönliches Interesse an dem Entscheidungsergebnis?
    3. 3. Was würde eine andere Person oder jemand, dessen Meinung ich schätze, in dieser Situation tun?

3. Über den Tellerrand schauen

Jeder Mensch hat das Potenzial für großartige Ideen, das durch den Kreativitätsquotienten (CQ) gemessen wird, der sich vom IQ unterscheidet und ebenfalls trainierbar ist.

Um aktiv frische Ideen zu generieren und sie umzusetzen, versuche Folgendes:

  • neue Verwendungsmöglichkeiten für alte Gegenstände
    Suche einen beliebigen Gegenstand aus und überlege dir so viele unkonventionelle Verwendungsmöglichkeiten wie möglich für ihn. Eine Plastiktüte könnte zum Beispiel als provisorischer Schuhüberzieher, als Badekappe oder als Gebäcktüte dienen.
  • zufällige Assoziationen
    Schlage ein Wörterbuch oder ein anderes großes Buch auf. Zeige auf ein Wort und schreibe es auf. Wiederhole diesen Vorgang und versuche, die entstandenen Wörter miteinander zu verbinden. Du kannst damit sogar ganze Geschichten erstellen.

Mit der Zeit wird dein Gehirn beginnen, schnell Assoziationen zu bilden und immer einfacher unkonventionellen Ideen zu haben.

4. Networking

Trotz der Automatisierung von Arbeitsprozessen werden zwischenmenschliche Kommunikationsfähigkeiten immer wichtiger.

Hier sind einige Tipps, die auch Introvertierten helfen, wertvolle Beziehungen aufzubauen:

  • Wenn du jemanden triffst, frag nach seinem/ihrem Rat.
    Zum Beispiel: „Ich stehe vor einer Herausforderung bei der Arbeit und dachte, dein Rat könnte mir helfen. Hättest du ein paar Minuten Zeit?“
  • Beende jedes Gespräch mit: „Kennst du jemanden, mit dem/der ich über Y
    (Job/Position/Unternehmen) sprechen könnte?“.

    Auch wenn dir nicht jeder Kontakt sofort konkrete Hinweise gibt, hat etwa jeder Zwanzigste die Verbindungen, die du brauchst. Leute werden dir wahrscheinlich gerne weiterhelfen.
  • Bleibe in Kontakt.
    Indem du dich noch einmal für das Gespräch bedankst und bei Bedarf deine Expertise anbietest, bleibst du besser in Erinnerung.

5. Widerstandsfähigkeit, Flexibilität und Agilität

In der heutigen Welt müssen wir uns schnell an neue Situationen anpassen. Unsere Umstände zwingen uns immer wieder dazu umzuziehen, eine Fremdsprache zu sprechen oder den Beruf zu wechseln. Kognitive Flexibilität und Anpassungsfähigkeit sind dabei von entscheidender Bedeutung.

Anpassungsfähigkeit bedeutet:

  • Stressresistenz
  • schnelle Reaktion auf Ereignisse
  • schnelles Lernen und Verwerfen veralteter Ansichten
  • flexibles Denken

Um die Entwicklung kognitiver Flexibilität und Entscheidungsgeschwindigkeit zu erhöhen, kann es helfen, sich Backup-Szenarien auszudenken. Stell dir verschiedene mögliche Veränderungen vor und entwickle Szenarien um sie herum. Wie wird dein Arbeitsbereich aussehen, wenn diese Veränderungen eintreten? Werden sich neue Chancen ergeben? Wie können negative Auswirkungen minimiert werden?

Es gibt drei mögliche Szenarien:

  • Alles läuft nach Plan.
  • Es gibt wesentliche Veränderungen, die zu einer Bedrohung werden könnten.
    Zum Beispiel ein technologischer Durchbruch, der zu Entlassungen in automatisierbaren Berufen führt.
  • Die Nerven liegen blank.
    Alle bisherigen Versuche sind gescheitert, man ist mental erschöpft und muss schnell einen neuen Plan entwickeln.

6. Führungsqualitäten und sozialer Einfluss

Der amerikanische Unternehmer Kevin Cashman hat jahrelang Führungskräfte in großen Unternehmen gecoacht und das Buch „Leadership from the Inside Out“ geschrieben. Darin teilt er seine Erkenntnisse darüber mit, wie man seine innere Führungskraft stärken kann.

Er identifiziert Schlüsselbereiche für die Entwicklung von Führungskompetenzen, darunter:

  • Selbstkenntnis. Die eigenen Stärken und Schwächen erkennen und verstehen, wie man in verschiedenen Situationen reagiert.
  • Zielsetzung. Es ist wichtig, nicht nur zu wissen, was man will, sondern es auch klar zu formulieren und mit den aktuellen Möglichkeiten in Einklang zu bringen.
  • Change Management. In unserer sich schnell verändernden Welt ist es die Aufgabe einer Führungskraft, diese Veränderungen anzunehmen und gleichzeitig die Kontrolle zu behalten und sich an neue Situationen anzupassen.
  • Zwischenmenschliches Feingefühl. Die Fähigkeit, vertrauensvolle Beziehungen zu anderen aufzubauen, ist für die Führung eines Teams unerlässlich.
  • Handlungsfähigkeit. Es reicht nicht aus, Entscheidungen zu treffen und zu planen; man muss diese Pläne auch umsetzen und bereit sein, sie anzupassen, wenn sich die Umstände ändern.

Hard Skills, die du bald brauchen könntest

1. Technologische / digitale Kompetenz

Arbeitgebende suchen oft mehr als Microsoft Office:

  • Grundkenntnisse von Programmen zum organisieren von Aufgaben, wie Trello, Asana oder Wrike
  • Kenntnisse in Adobe Photoshop
  • Grundkenntnisse in Social Media und Social Selling, auch für Rollen, die nicht direkt mit SMM oder Vertrieb zu tun haben
  • Grundlegendes Verständnis von Cybersicherheit

2. KI und Big Data Management

Mit der Zunahme der Datenmengen steigt auch der Bedarf an Menschen, die diese Informationen sammeln, strukturieren, interpretieren und visualisieren können.

Die Kompetenzen in diesem Bereich können Folgendes umfassen:

  • analytisches Denken
  • fortgeschrittene Excel-Kenntnisse
  • Vertrautheit mit gängigen Business Intelligence (BI) Tools
  • Kenntnisse in Datenvisualisierungstools wie Tableau, Google Charts oder Power BI

Berufe wie digitale Vermarkter:innen, Copywriter:innen, Vertriebsleiter:innen oder Personalleiter:innen sollten idealerweise über Datenmanagementkenntnisse verfügen.

3. Projekt- und Zeitmanagement

Projektmanagement wird mittlerweile als ein entscheidender Skills für Manager:innen anerkannt und umfasst:

  • Selbstverwaltung
  • Bewertung der vorhandenen Ressourcen
  • Prozessplanung und -organisation
  • Effektive Kommunikation
  • Delegieren
  • Formulieren und Implementieren von konstruktivem Feedback
  • Leistungsmanagement

Laut einer Studie von Coursera sind Projektmanagementkompetenzen auf dem heutigen Arbeitsmarkt unverzichtbar. In Ländern wie den USA, Großbritannien, Deutschland, Australien, Singapur etc. gehören Projektmanagementkenntnisse zu den wichtigsten Fähigkeiten. Expertise im Projektmanagement zeigt man durch eine effiziente Einteilung von Ressourcen und den erfolgreichen Abschluss von Arbeitsprozessen. Dabei können wichtige Projektmanagement-Tools wie Monday, Worksection und Asana die Teamproduktivität durch interaktive Funktionen und Visualisierungen steigern, während Trello zum Beispiel ideal für das Brainstorming im Team ist.

Bevor du gehst... Überlege kurz, welche Skills deine Karriere vorantreiben könnten! Erkunde das ELVTR Kursangebot von führenden Expert:innen. Mit ihnen kannst du passend zu deinem wöchentlichen Zeitplan wichtige Hard Skills und relevantes Fachwissen lernen.